Fr, 29.11.2024
Bericht zum aktuellen HPAI-Geschehen
Das hochpathogene aviäre Influenzavirus (HPAI), insbesondere der Subtyp H5N1, sorgt weiterhin weltweit für große Besorgnis. In Deutschland wurden im November 2024 mehrere neue Ausbrüche von HPAI H5N1 gemeldet, die teils umfangreiche Maßnahmen erforderlich machten. Am 20. November wurde in Kleve in Nordrhein-Westfalen ein Betrieb mit 16.000 Puten betroffen. Am selben Tag wurde in Bayern im Landkreis Coburg eine Gemischthaltung mit weniger als 50 Tieren (Enten, Gänse, Hühner) positiv auf H5N1 getestet. Am 23. November meldete Schleswig-Holstein einen Ausbruch im Kreis Nordfriesland, wo ein Betrieb mit 10.000 Legehennen betroffen war. Am 24. November trat in Niedersachsen im Kreis Aurich ein Ausbruch in einem Betrieb mit 8.400 Puten-Elterntieren auf (siehe unser Bericht an anderer Stelle). Schließlich meldete Mecklenburg-Vorpommern am 26. November einen Fall im Landkreis Rostock, bei dem 13.000 Enten und Gänse betroffen waren. In Reaktion auf die Lage hat der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte per Allgemeinverfügung eine Aufstallpflicht für Geflügelbestände ab 5.000 Tieren ab sofort angeordnet. Auch Österreich hat sich als Reaktion auf mehrere Ausbrüche in Geflügelbetrieben zum Risikogebiet erklärt und eine landesweite Stallpflicht für Geflügel verhängt, nachdem das Virus in mehrere Geflügelbetriebe eingeschleppt wurde. Etwa 200.000 Tiere wurden gekeult. Die potenzielle Gefahr, dass sich das Vogelgrippevirus H5N1 an den Menschen anpasst, beschäftigt Wissenschaftler weltweit. Ein aktueller Fall in Vancouver, Kanada, unterstreicht diese Besorgnis: Ein Jugendlicher entwickelte nach einer H5N1-Infektion zunächst eine Augenentzündung, die sich später zu einer schweren Lungenentzündung verschlechterte. Erste Untersuchungen weisen darauf hin, dass Mutationen im Virus aufgetreten sein könnten, die dessen Verhalten in menschlichen Zellen beeinflussen. Allerdings scheinen diese Veränderungen im Patienten selbst entstanden zu sein, da ähnliche Mutationen in regionalen Vogelproben nicht nachgewiesen wurden. Eine Übertragung auf andere Menschen wurde bisher nicht festgestellt.